Doping-Skandal

Ex-Trainer von Flückiger: «Kann mir nicht vorstellen, dass Mathias gedopt hat»

19. August 2022, 14:32 Uhr
Der Schock über die positive Dopingprobe beim Schweizer Mountainbike-Star Mathias Flückiger sitzt tief. Während sich der Protagonist selbst noch nicht zum Vorfall äussert, kann sich Flückigers ehemaliger Trainer Beat Stirnemann kaum vorstellen, dass sein einstiger Schützling zu illegalen Mitteln gegriffen haben soll.

Quelle: ArgoviaToday/Leonie Projer

Am Donnerstagnachmittag, nur einen Tag vor dem EM-Rennen im Cross-Country in München, ist bekannt geworden, dass der Oberaargauer Mountainbike-Profi Mathias Flückiger bei der Schweizer Meisterschaft am 5. Juni positiv auf die anabole Substanz Zeranol getestet wurde. Viele Fragen bleiben indes noch offen, auch weil sich Flückiger laut dem Schweizer Verband Swiss Cycling «bis auf Weiteres» nicht zum Fall äussern werde.

Der in Gränichen im Kanton Aargau wohnhafte Beat Stirnemann war einst der Trainer von Mathias Flückiger. «Ich durfte ihn als Junior formen und fördern.» Er kennt den Mountainbike-Profi, seit dieser 14 Jahre alt ist. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mathias gedopt hat. Er ist ein Bauernsohn. Er ist geerdet und kommt aus einer gesunden Familie. Ich habe keine Ahnung, was das soll», erklärt Stirnemann auf Anfrage.

Doping-Tests an Schweizer Meisterschaft

Ex-Nationaltrainer Stirnemann kann sich kaum vorstellen, dass Flückiger tatsächlich zu illegalen Mitteln gegriffen haben soll. Er begleitete das Schweizer Mountainbike-Team bei den Schweizer Meisterschaften in Gränichen im Jahr 2000 das erste Mal eng. «Dort musste ich sogar selbst die Proben am nächsten Tag auf die Post bringen. Man weiss, dass man an einer Schweizer Meisterschaft getestet wird. Und das ist auch gut so.» Deshalb war es auch für Stirnemann ein Schock, als er vom positiven Doping-Test gehört hat.

Zeranol – ein sehr seltener und aussergewöhnlicher Fall

Mathias Flückiger wurde positiv auf das Mittel Zeranol getestet. Das ist ein Anabolikum, das praktisch nur in der Viehzucht verwendet wird. Ernst König, Direktor von Swiss Sport Integrity, erklärt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, ihm sei keine Verwendung in einem Medikament bekannt.

Es ist eine Substanz, die auf der Dopingliste steht und jederzeit verboten ist – auch ausserhalb von Wettkämpfen. «Es ist eine nicht spezifische Substanz und führt deshalb automatisch zu einer provisorischen Sperre», so König.

König spricht von einem «aussergewöhnlichen Fall», weil es «praktisch keine Präzedenzfälle» gebe. Dies sei auch der Grund, warum es seit der Probenahme am 5. Juni an der Schweizer Meisterschaft in Leysin so lange gedauert habe. «Die WADA gibt für Zeranol ein spezielles Vorgehen vor», erläutert König. «Deshalb sind zusätzliche Bestätigungsanalysen vorgeschrieben.»

Bereits Kritik gegen Flückiger nach Weltcup-Rennen in der Lenzerheide

Bereits im Juli stand Mathias Flückiger in der Kritik, als er beim Weltcup-Heimrennen in der Lenzerheide Teamkollege Nino Schurter abgeschossen haben soll. Im Kampf um den Sieg gerieten die beiden Schweizer aneinander und stürzten. Flückiger blieb schliesslich der 3. Platz, Schurter Rang 4. Damit verpasste Nino Schurter seinen historischen 34. Weltcupsieg.

Quelle: ArgoviaToday/Leonie Projer

Während Schurter nach dem Rennen wütend erzählte, er sei von Flückiger abgeschossen worden, sprach dieser von einem Rennunfall. Nach dem Rennen kursierte jedenfalls ein Video. Zu sehen ist Schurter, der Flückiger auf die Schulter haut und sagt: «Du bist doch nicht normal!» Bereits nach diesem Knatsch erntete Mathias Flückiger viel Hass. Der nun bekannt gewordene Dopingfall dürfte dabei nicht wirklich hilfreich sein.

(ova)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 19. August 2022 14:43
aktualisiert: 19. August 2022 14:43
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