Sport

YB-Frauen nehmen mehr Rücksicht auf weiblichen Zyklus

Individuelle Lösungen

YB-Frauen nehmen mehr Rücksicht auf weiblichen Zyklus

· Online seit 19.02.2023, 08:48 Uhr
Lange Zeit gehörte es dazu, dass Sportlerinnen ihre Bauchschmerzen während der Periode ignorieren und ohne Rücksicht weiter trainieren. Um die Beschwerden abzufangen und die Zyklus-Phasen besser zu verstehen, optimieren die YB-Frauen nun den Trainingsbetrieb.
Anzeige

Seit Beginn des Jahres setzen YB-Frauen intensiver auf zyklusorientiertes Training. In einem ersten Schritt ginge es bei den Spielerinnen aller Altersstufen um Sensibilisierung für das Thema, sagt Jasmin Schweer, Trainerin bei den YB-Frauen.

«Bei den U19- und Super-League-Spielerinnen geht es dann in einem nächsten Schritt darum, die Erkenntnisse auch ins Training zu integrieren.» Das setzte voraus, dass die Spielerinnen ihren Zyklus tracken und wissen, wie sich der Körper in den entsprechenden Phasen verhält.

Nationalspielerinnen sind bereits sensibilisiert

Die Nationalspielerinnen im Verein würden sich mit dem Thema bereits besser auskennen, da es auf nationaler Ebene schon länger aktuell sei. «Von ihnen können wir profitieren, weil sie recht sensibilisiert sind», so Schweer. Es sei etwas aufwendiger, im Teamsport auf den Zyklus abgestimmt zu trainieren als im Individualsport. Während einer Teameinheit sei es schwierig, auf individueller Stufe zu handeln. «Es ist aber so, dass man vor und nach dem Training viel umsetzen kann.» Sei es in Vorbereitungsübungen oder im Kraftbereich – dort seien individuelle Lösungen möglich.

Die Spielerinnen seien grundsätzlich offen, wenn es um den Zyklus gehe. «Sie finden es gut, dass man speziell auf sie eingeht.» Mit einzelnen seien sie schon weiter als mit anderen. «Das Ziel ist es, dass wir alle Teams abholen, um vor und nach den Trainingseinheiten gezielt arbeiten zu können», so Schweer.

Weiblicher Zyklus und Spitzensport im Beachvolleyball

«Grundsätzlich ist es ein Thema, dem wir uns Ende 2020 intensiver angenommen haben. Wir haben damals eine Projektgruppe gegründet», erklärt Sebastian Beck, Sport Direktor Beachvolleyball bei Swiss Volley. Während mehrerer Monate habe die Projektgruppe, geleitet von Topathletin Tanja Hüberli, ein Netzwerk bezüglich der Thematik erarbeitet.

«Wir haben unsere Erkenntnisse im Frühjahr 2021 lanciert und unser Netzwerk mit allen Athletinnen geteilt.» Heute stütze sich der Verband auf das Projekt «Frau und Spitzensport» von Swiss Olympic ab, wenn es um zyklusorientiertes Training geht. «Weil dort die Beratungsleistung noch eine tiefere Expertise hat und ein richtungsweisendes Projekt geschaffen wurde», erklärt Beck.

Im Trainingsbetrieb sei die Handhabung aber sehr individuell – der Zyklus habe unterschiedliche Auswirkungen in unterschiedlicher Art auf die verschiedenen Athletinnen. «Wir versuchen es über ein Monitoring festzuhalten und auch zu begleiten. Bei uns geht es eher drum, besser zu verstehen, wenn etwas nicht läuft.» Zyklusorientiertes und -gesteuertes Training sei aber noch ein viel komplexeres Thema, bei dem Grundvoraussetzungen gegeben sein müssen. «Hier gibt es verschiedene Einflussfaktoren, wie zum Beispiel die hormonelle Verhütung. Da greifen wir nicht ein und machen auch keine Vorschriften», sagt Beck.

Individuelle Lösungen bei Unihockey Berner Oberland

Im Team von Unihockey Berner Oberland ist der Zyklus kein Tabuthema. «Erfahrene Spielerinnen gehen sehr offen mit dem Thema um», sagt Headcoach Ella Piotrovska. Der Verein spielt zwar in der höchsten Liga in der Schweiz, kann aber keinen Profibetrieb ausweisen. «Wir trainieren dreimal in der Woche, arbeiten aber daran, künftig professioneller zu werden.»

Doch zyklusortientiertes Training sei bei den aktuellen Bedingungen keine Option. «Wenn eine Spielerin starke Beschwerden hat, kann sie auf mich zukommen. Wir lösen die Thematik dann individuell», erklärt Piotrovska.

veröffentlicht: 19. Februar 2023 08:48
aktualisiert: 19. Februar 2023 08:48
Quelle: BärnToday

Anzeige
Anzeige
baerntoday@chmedia.ch