Frustrierte Lehrpersonen

Mehr Lohn und Unterstützung im Klassenzimmer gefordert

10.05.2023, 16:21 Uhr
· Online seit 10.05.2023, 12:00 Uhr
Der Lehrermangel im Kanton Bern bringt viele Schulleitungen sowie Lehrerinnen und Lehrer an ihre Grenzen. Mehrere tausend Lehrpersonen treffen sich am Mittwoch im Rahmen des Berner Bildungstags in der Tissot Arena in Biel. Dabei richten sie klare Forderungen an den Kanton Bern.
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Die Nachricht, dass es im Kanton Bern zu wenig Lehrpersonen hat, dürfte niemanden mehr erstaunen, zu lange ist die Thematik schon auf dem politischen Parkett angekommen. Brisanter ist, dass trotz verschiedenster Massnahmen der Behörden noch lange keine Entspannung in Sicht ist. Im Gegenteil. In diesem Frühling verzeichnet der Kanton Bern rund 500 offene unbefristete Stellen fürs nächste Schuljahr, was gar etwas mehr ist als im Vorjahr.

Zwar ist die Zahl der Studierenden, die sich an einer pädagogischen Hochschule zur Lehrperson ausbilden, mittlerweile gestiegen. Gleichzeitig kommen aber in den nächsten Jahren noch immer deutlich mehr Lehrpersonen ins Pensionsalter. Er sei deshalb nur mässig optimistisch, sagt Pino Mangiarratti, Präsident des Berufsverbands Bildung Bern.

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Er trifft sich am Mittwoch mit tausenden Lehrpersonen und Schulleiterinnen und Schulleitern in der Tissot Arena in Biel. Gemeinsam fordern sie in einer Resolution vom Kanton bessere Arbeitsbedingungen. Konkret geht es um mehr Unterstützung im Klassenzimmer und mehr Lohn.

«Die Politik macht viel, vergisst aber manchmal, dass es bezüglich Lehrermangel langfristige Lösungen, sprich bessere Rahmenbedingungen, braucht», so Mangiarratti. Dabei gehe es nicht nur um die Löhne. Wesentlich sei auch, dass Lehrpersonen im Klassenzimmer mehr Unterstützung erhalten – gerade bei schwierigen Klassenzusammensetzungen.

Von der Berner Bildungsdirektorin Christine Häsler, die am Mittwoch ebenfalls in der Tissot Arena anwesend ist, erwartet Mangiarratti eine klare Stellungnahme zu den konkreten Forderungen der Lehrpersonen. Laute und forsche Kritik an der Politik äussert Mangiarratti im Gespräch kaum, eher fokussiert er sich auf seine Anliegen: «Ich kann niemandem einen bösen Willen unterstellen, die Politik versucht sicher ihr bestes».

Kein Teuerungsausgleich im November

Lediglich als es um den Teuerungsausgleich geht, welcher der Kanton Bern den Lehrpersonen im vergangenen November vorenthalten hat, erkennt man bei Mangiarratti einen gewissen Unmut: «Die Lehrpersonen waren während der Pandemie zur Stelle, sie haben bei der Ukraine-Krise geholfen und leisten trotz Lehrermangel gute Arbeit. Gleichzeitig erhalten sie keinen Teuerungsausgleich. Solche Zeichen helfen in der aktuellen Situation nicht wirklich.»

Bei ihren Forderungen gehe es am Ende nicht nur um die Lehrpersonen, sondern um die Kinder im Kanton Bern. «Wenn Klassen zusammengelegt werden müssen oder die Lehrperson ständig wechselt, ist das nicht im Interesse der Kinder», so Pino Mangiarratti. Wichtig sei jetzt, dass die Politik Zeichen setze – am besten bereits am Mittwoch in der Tissot Arena.

So reagiert die Bildungsdirektion

«Wir wollen dasselbe wie Sie», versicherte Bildungsdirektorin Christine Häsler den Anwesenden in der Tissot Arena. Die Funktion der Klassenlehrperson soll zukünftig aufgewertet werden, schreibt der Kanton Bern am Mittwoch in einer Mitteilung. Des Weiteren sollen Klassenhilfen auf allen Stufen ermöglicht und zusätzliche Lektionen gesprochen werden, um das Lernen in kleineren Gruppen zu fördern. Auch die Schulleitungen sollen durch erweiterte Schulsekretariate und eine Erhöhung der Anstellungen gestärkt werden. In Sachen Lohn werde weiterhin eine Erhöhung der Gehaltsklassen für Primar- und Sekundarlehrpersonen angestrebt, schreibt der Kanton Bern. Konkreter wird er jedoch nicht.

(mfu)

veröffentlicht: 10. Mai 2023 12:00
aktualisiert: 10. Mai 2023 16:21
Quelle: BärnToday

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