Grüne Pisten & leere Lifte

Schneemangel am Niederhorn – Region Beatenberg erfindet sich neu

· Online seit 08.02.2024, 06:32 Uhr
Auf den Pisten am Beatenberg fehlt der Schnee. Die Skilifte am Niederhorn stehen darum still. Doch am Berg hat man gelernt, mit den schneearmen Wintern umzugehen. Was unterscheidet den Tourismusort hoch über dem Thunersee von anderen Skigebieten in niedrigeren Lagen?
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Eigentlich schwingen hier Snowboarderinnen und Skifahrer ihre Kurven in den Schnee: Der Hang am Niederhorn ist aber aktuell grün, nur das «Güpfi» auf 1963 Meter über Meer ist weiss. Die Skilifte Hohwald und Niederhorn sind darum auch momentan nicht in Betrieb.

Thomas Tschopp, Geschäftsführer von Beatenberg Tourismus, findet die Situation tragisch. «Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die Anlagen jeweils noch in Betrieb genommen werden», schreibt er auf Anfrage von BärnToday. Schon im letzten Winter war kein Skibetrieb am Niederhorn, der Skilift Hohwald hatte lediglich zehn Tage geöffnet.

Auch die Verantwortlichen der Niederhornbahnen sind dieser Meinung. Das Unternehmen betriebt die Standseilbahn zwischen der Beatenbucht und Beatenberg sowie die Gruppenumlaufbahn, die Gäste von Beatenberg bis zum Niederhorn führt. Ebenso verantwortlich ist die Bahn für die Skilifte am Niederhorn.

In den letzten Jahren habe man gelernt, mit schneearmen Wintern umzugehen, sagt Marc Höliner, Geschäftsführer der Niederhornbahn AG. «Wir verzichten bewusst auf Massnahmen wie Kunstschnee und passen uns umso mehr dem ‹Takt› der Natur an», so Höliner.

Auch diesen Winter befördere die Bahn viele Gäste – insbesondere an den Wochenenden. Man liege im Fünf-Jahresschnitt, was gut sei. Laut dem Geschäftsbericht 2022 entspricht dies rund 135'000 Gästen pro Jahr, die auf den Berg fahren.

«Nein, die Gäste fehlen nicht»

Die aktuelle Wintersaison sehen die Verantwortlichem am Niederhorn nicht als Desaster. Grundsätzlich seien die Hotels und Ferienwohnungen gut ausgelastet, bestätigt Thomas Tschopp von Beatenberg Tourismus. Die Sonnenterrasse des Berner Oberlands werde «gerne besucht – halt eben zum Wandern und Geniessen».

Es gibt nur einzelne Gäste, die ihren Aufenthalt storniert hätten – sei es, weil die Skischule geschlossen hat oder der Skibetrieb aktuell eingestellt ist. Die wenigen Stornierungen seien daher auf den Schneemangel zurückzuführen. Bisher habe Tschopp aber keine negativen Rückmeldungen erhalten. Die Leute kommen vor allem, um dem Trubel der grossen Skigebiete zu entfliehen. «Wer Ramba-Zamba sucht, ist in Beatenberg an der falschen Adresse», meint der Tourismuschef. Oft fahren die Gäste dann von Beatenberg aus in die Jungfrau-Region, auf den Hasliberg oder nach Adelboden.

Auch andere Skigebiete müssen sich etwas einfallen lassen, um zu überleben. TeleBärn berichtet diese Woche unteranderem über den eingestellten Skibetrieb in Linden:

Schneemangel als Chance für Neues

Nur gerade sieben Prozent der Gäste, die 2022 aufs Niederhorn kamen, fuhren Ski oder Snowboard. Jede vierte Person entschied sich fürs Wandern und jeder dritte Gast kam auf den Berg, um das Panorama zu geniessen. Dies zeigte eine Umfrage, die die Niederhornbahn AG im Geschäftsbericht veröffentlichte.

Die Verantwortlichen vor Ort sehen den aktuellen Winter als Chance. «Der Wintertourismus verändert sich und wir sind schon mittendrin», sagt der Geschäftsführer des örtlichen Tourismusbüros, Thomas Tschopp. So habe man das Angebot angepasst und erweitert. Besuchende können zum Beispiel auch im Winter E-Bikes oder Trottibikes mieten. Ebenso werden die Wanderwege während des ganzen Jahres unterhalten. Oder Gruppen können auch im Winter die St. Beatus-Höhlen besichtigen.

Auch Roland Noirjean, Gemeindepräsident von Beatenberg, bestätigt ebenfalls, dass viele Gäste spazieren, wandern oder die Aussicht geniessen würden – auch wenn «einige vielleicht den knirschenden Schnee vermissen mögen». Die Attraktivität der Gemeinde für Touristen müsse man mit weiteren Angeboten erhalten, so der Gemeindepräsident. Die Bevölkerung wünsche sich aber explizit keinen Massentourismus.

Sorge bereite Noirjean nur etwas: «Für den in der Region sehr beliebten Skilift Hohwald wäre Schnee sehr wichtig, damit er überleben kann.» So würde er sich etwa vom Kanton einen Topf zur finanziellen Unterstützung von kleinen Skiliften wünschen.

Flexibilität ist gefordert

Die Niederhornbahn AG, die an 365 Tagen im Jahr in Betrieb ist, erweitert ihr Angebot ebenfalls. Die Bahn kooperiert mit den örtlichen Gastrobetrieben und bietet beispielsweise neu einen «Fondue-Rucksack» an oder organisiert romantische Abendfahrten.

«Zwar würden die Pistenfahrzeugführer lieber Schlitten- und Skipisten präparieren», sagt Marc Höliner. Aber die Enttäuschung und Frustration bleibe bei den Mitarbeitern weitestgehend aus. Im Gegensatz zu anderen Skigebieten in tiefen Lagen kann das Unternehmen seine Angestellten auslasten und die Löhne weiterhin zahlen.

In Zukunft ist die Region am Niederhorn gefordert. Man will die Angebote kontinuierlich weiterentwickeln. Marc Höliner findet, es brauche weiterhin Flexibilität: Man müsse jedes Jahr aus den «gemachten Erfahrungen lernen».

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veröffentlicht: 8. Februar 2024 06:32
aktualisiert: 8. Februar 2024 06:32
Quelle: BärnToday

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