Zu warmer Winter

Trotz klirrender Kälte herrscht Sorge auf dem Jungfraujoch

· Online seit 20.01.2023, 13:59 Uhr
Die Temperaturen sanken bei der höchsten Wetterstation Europas in der letzten Nacht auf bis zu minus 25 Grad. Trotzdem herrschen auf dem Jungfraujoch durchschnittlich zu warme Verhältnisse, wie Sonja Stöckli, die Betreuerin der Forschungsstation, sagt.
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Die kälteste Nacht im neuen Jahr in der Schweiz sorgte vielerorts für Zähneklappern. Auch bei der höchsten Wetterstation Europas fielen die Temperaturen in den zweistelligen Minusbereich. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir aktuell einen aussergewöhnlich warmen Winter erleben, so Sonja Stöckli, Betreuerin der Forschungsstation Jungfraujoch. «Am Abend war es sehr kalt, aber das ist für diese Jahreszeit eigentlich normal auf 3500 Metern über Meer. Doch zuvor war der Winter viel zu lange warm.»

Grosse Schneemengen fehlen

Die Lage besorgt die Betreuerin, denn schon im vergangenen Jahr fiel wegen der hohen Temperaturen zu wenig Schnee. «Normalerweise fallen hier im Winter mindestens sechs Meter Schnee. Letztes Jahr waren es nur zwei Meter.»

Auch in diesem Winter seien bisher zu wenige Flocken gefallen, doch Stöckli hofft auf mehr: «Es kann bis im Mai grosse Schneemengen geben, das wäre sehr gut.» Früher habe es auch in den Sommermonaten geschneit, doch heute ist es Niederschlag in Form von Regen. Dies sei auch ein Zeichen der globalen Erwärmung, sagt Stöckli.

Aletsch Gletscher schwindet

Vor allem der Gletscher leide unter den warmen Bedingungen. Letzten Frühling kam noch der Saharastaub dazu, der habe das Abschmelzen des Schnees und des darunter liegenden Gletschers verstärkt.

«Schon im Juni war der Gletscher abgedeckt. Man konnte zuschauen, wie er dahin schmilzt. Das ist schon schmerzhaft», so Stöckli. Die Spalten im Gletscher hätten sich in dieser Zeit stark vergrössert, wegen der Gefahr von Steinschlag seien viel weniger Menschen in den Bergen der Region unterwegs.

Grundsätzlich sei die Zunahme der Temperatur schon seit langer Zeit zu beobachten. «Es nimmt aber exponentiell zu. Die extremen Bedingungen häufen sich je länger, je mehr», so Stöckli.

veröffentlicht: 20. Januar 2023 13:59
aktualisiert: 20. Januar 2023 13:59
Quelle: BärnToday

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