Berner Seen

Wo muss man sich vor der Blaualge in Acht nehmen?

20.06.2023, 16:52 Uhr
· Online seit 20.06.2023, 16:19 Uhr
In diesem Jahr gab es zwei Verdachtsfälle bezüglich Blaualgen im Bielersee. In welchen Seen darf man ohne Bedenken baden? Wie erkennt man Blaualgen und bin ich gar in meinem eigenen Schwimmteich gefährdet? BärnToday hat vor der heissesten Zeit des Jahres mit der Abteilungsleiterin Gewässer- und Bodenschutzlabor Claudia Minkowski darüber gesprochen.
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BärnToday: Der Kanton Bern hat am Dienstag weitere Informationen über die sogenannte Blaualge veröffentlicht. Weshalb zum jetzigen Zeitpunkt?

Claudia Minkowski: Wir haben festgestellt, dass die Verunsicherung in der Bevölkerung gross ist. Es gab Verdachtsfälle im Bielersee, weshalb wir jetzt die Leute sensibilisieren wollen, auf was sie achten müssen, bevor sie in einem See baden.

Weshalb haben Sie den Eindruck, dass die Bevölkerung verunsichert ist?

Wir erhalten sehr viele Anrufe und Anfragen, die wir sehr nachvollziehen können. Vor allem von Hundebesitzern oder Familien, die besorgt sind.

Auf was muss man also achten, wenn man in den See springt?

Wir wollen keine Panik verbreiten. Die Leute können nach wie vor in den Seen baden. Wichtig ist, dass man sich das Wasser genau anschaut, bevor man reinspringt. Wenn das Wasser klar ist, keine Trübungen hat, kein Geruch hat, dann ist alles in Ordnung. Unsere Faustregel lautet folgendermassen: Wenn man bis mit den Knien im Wasser steht und die eigenen Füsse noch sehen kann, geht keine Gefahr aus.

Wann und weshalb entstehen Blaualgen in den Gewässern?

Die Blaualge können wir eigentlich fast in jedem Gewässer in kleinen Konzentrationen feststellen. Gefährlich wird sie erst, wenn sie sich massenhaft vermehren kann. Das ist vor allem möglich, wenn es längere Zeit sehr warm ist, wie das im Moment der Fall ist. Zudem muss es windstill sein und auch die Zusammensetzung der Gewässer spielt eine Rolle. Hat es viele Stickstoff- und Nährstoffverbindungen im Wasser, dann entsteht die giftige Blaualgenblüte. Die Gefahr besteht in kleineren Seen, die stark überdüngt sind, aber auch in windstillen Buchten von grösseren Seen.

Sind neben dem Bieler-, Murten- und Neuenburgersee auch kleinere Seen wie beispielsweise der Moossee gefährdet?

Ja genau, auch dort können Blaualgenblüten entstehen.

Wie sieht es eigentlich beim privaten Schwimmteich aus?

Theoretisch kann dies auch in einem Schwimmteich passieren – wenn auch die Nährstoffzusammensetzung im Teich sicher nicht optimal ist für die Blaualge. Auch hier gilt: Ist der Teich trüb, besser nicht baden.

Wie gefährlich ist die Blaualge für Mensch und Tier?

Wenn die Konzentration des Gifts hoch ist, wird es für Mensch und Tier gefährlich. Vor allem für Hunde und kleine Kinder aufgrund des geringeren Körpergewichts oder weil diese eher das Wasser trinken. Denn vor allem die orale Aufnahme des Gifts ist wirklich gefährlich.

Kann das Gift der Blaualge ins Grundwasser gelangen?

Das ist praktisch ausgeschlossen und kein Thema.

Der Klimawandel wird in Zukunft für noch heissere Sommer sorgen. Wird dies die Situation verschärfen?

Wir nehmen an, dass dies schon jetzt der Fall ist und dass uns die Blaualgen-Thematik häufiger beschäftigt als in früheren Jahren. Das wird sich in Zukunft verstärken.

veröffentlicht: 20. Juni 2023 16:19
aktualisiert: 20. Juni 2023 16:52
Quelle: BärnToday

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