Vorwürfe von Pussy Riot

Polizei: «Niemand musste sich splitternackt ausziehen»

Raphael Willen, 31. August 2022, 16:34 Uhr
Wegen illegaler Sprayereien wurden in der Nacht auf Dienstag in Wabern mehrere Frauen des Protest-Kollektivs Pussy Riot festgenommen. Ein Mitglied der Gruppe sagt, sie habe sich nackt ausziehen müssen – die Polizei weist die Vorwürfe zurück.

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

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In der Nacht auf Dienstag wurden drei Frauen des Kollektivs Pussy Riot festgenommen, weil sie in Wabern eine Wand mit Antikriegsgraffiti besprüht hatten. Mit dem Graffiti wollten die Frauen darauf aufmerksam machen, wie nah der Krieg in der Ukraine ist. «Sie hatten nicht einmal Zeit, die Entfernung in Kilometern zu schreiben, als sie festgenommen wurden», kommunizierte die Gruppe auf Facebook.

Graffiti sofort entfernt

Das Graffiti ist bereits wieder von der Wand entfernt worden. Ein Mitglied von Pussy Riot sagt im Interview: «Es macht mich wütend, dass sie unser Graffiti entfernt haben, aber die daneben stehen gelassen wurden. Sie wollen vom Krieg nichts sehen und wollen die Ukraine nicht unterstützen, das ist total unfair.»

In der Schweiz befinde sich viel blutiges Geld von Russen, das diese gestohlen hätten, sagt die sichtlich verärgerte Frau. Sie findet: «Die Schweiz sollte sich also an vorderster Stelle gegen Putin positionieren.»

Eine andere Frau des Kollektivs erzählt von der Verhaftung. «Ich musste mich nackt ausziehen, obwohl ich mehrmals ‹Nein› sagte.» Die Frau zeigt auf eine Prellung an ihrem Arm, die sie sich bei der Verhaftung zugezogen habe.

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe

Ramona Mock, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern, nimmt Stellung zu den Vorwürfen: «Im Rahmen der Polizeikontrolle haben wir geprüft, ob die Frauen gefährliche Gegenstände auf sich tragen. Es musste sich jedoch nie jemand splitternackt ausziehen. Teilweise mussten Kleidungsstücke ausgezogen werden. Dort wo wir visuelle Kontrollen vornehmen mussten, wurde es uns gewährt», sagt Mock. «Es wurde auch kein Widerstand geleistet.»

Weiter sagt Mock: «Die Kontrollen verliefen ohne Zwischenfälle und wir haben keine Kenntnis von irgendwelchen Auseinandersetzungen.»

Im Zusammenhang mit den Sprayereien habe der Eigentümer, die Gemeinde Köniz, einen Strafantrag gestellt, führt Mock aus. «Infolge dessen werden die drei Frauen nun der Staatsanwaltschaft rapportiert.»

Quelle: BärnToday / Warner Nattiel

Zeichen gegen Krieg

Am Dienstagabend hat die Band dann doch bei der Mühle Hunziken in Rubigen auftreten können. Christoph «Chrigu» Stuber, Geschäftsleiter der Mühle Hunziken, sagte im Vorfeld: «Wir wurden am Montag um ca. 23 Uhr über die Festnahmen informiert. Am nächsten Morgen erhielten wir dann die Information, dass alle drei Frauen wieder auf freiem Fuss sind.» Und er meint: «Offenbar wurde auch in grossen Medien Russlands über die Verhaftung berichtet.»

«Wir haben Pussy Riot nach Rubigen eingeladen, um ein Zeichen gegen den Krieg und für den Frieden zu setzen», erklärt Stuber. Die Leute hätten durchwegs positiv darauf reagiert und das Konzert sei mit 550 verkauften Tickets ausverkauft gewesen. Unmittelbar nach dem Konzert griffen die Mitglieder von Pussy Riot dann erneut zur Spraydose. Mit dem Segen der Veranstalter brachten sie ein Anti-Kriegsgraffiti an der Fassade der Mühle Hunziken an.

Quelle: zVg Mühle Hunziken

Quelle: BärnToday
veröffentlicht: 30. August 2022 22:18
aktualisiert: 31. August 2022 16:34