Unfälle vorprogrammiert

Bei dieser Hitze ab ins Wasser – aber die Risiken nicht vergessen

25.06.2023, 10:26 Uhr
· Online seit 25.06.2023, 10:23 Uhr
Seit Wochen herrschen sommerliche Temperaturen, die Aaretemperatur ist auch schon auf 20 Grad gestiegen und eine Abkühlung im Wasser scheint perfekt. Doch ungefährlich ist das nicht: Jährlich verunfallen schweizweit über 12'000 Personen allein beim Baden und Schwimmen.
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Einen ganzen Tag am, auf oder im Wasser verbringen – das tönt bei der vorherrschenden Hitze nach einem perfekten Plan. Es bieten sich verschiedenste Möglichkeiten, um der Wärme zu entfliehen, sei es mit dem Böötli, Stand-up Paddle oder einfach so, mit einem Sprung ins kühle Nass. Aber ungefährlich ist das alles nicht, gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) verunfallen jährlich 12'000 Personen beim Baden und Schwimmen in der Schweiz.

Bevor es mit der Abkühlung losgehen kann, sollte erst ein Blick auf die Wetterprognose geworfen werden. «Es kann gefährlich werden, falls man auf dem Wasser von einem Wetterumschwung überrascht wird», warnt Christoph Joder, Präsident des Vereins Seerettung Thunersee.

«Alles, was man sich vorstellen kann»

Auch zur Wahl des Transportmittels im oder auf dem Wasser hat er einen Tipp: «Es sind alle Gefährte gefährlich, die man nicht beherrscht.» Es werde immer einfacher, ohne nautische Ausbildung auf das Wasser zu gelangen. «Man kann quer über den See fahren – auch ohne Erfahrung oder Wissen beispielsweise über die Vortrittregelungen, die eigentlich auf dem Wasser gelten.» Deswegen empfiehlt Joder, vorher zumindest die Sicherheitsempfehlungen der Kantonspolizei Bern genauer zu studieren.

Trotz aller Präventionsarbeit steht das Team der Seerettung Thunersee jährlich bis zu 90 Mal im Einsatz. «Wir unterstützen die Seepolizei bei ihrem Rettungsauftrag, aber Kontrollen führen wir keine durch», erklärt Joder. Die Einsätze erfolgen aus unterschiedlichsten Gründen. «Alles, was man sich vorstellen kann, passiert auf dem Wasser. Das geht von Gleitschirmfliegern, die auf dem See landen, bis zu einem Unfall, wo eine fehlende Rettungsweste mit einem Todesfall endete.»

Unfälle aus unterschiedlichen Gründen

Im Jahr 2022 verzeichnete die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG im ganzen Land insgesamt über 60 tödliche Ertrinkungsunfälle, im Kanton Bern ereigneten sich insgesamt 14 Unfälle im Wasser mit Todesfolge. Davon werde ein Fall als Verkehrsunfall bezeichnet, bei der eine Person mit dem Auto von der Strasse abgekommen und in einem Bach gelandet ist, sechs tödliche Ertrinkungsunfälle hätten sich in einem Fluss und sieben weitere in einem See ereignet, schreibt die SLRG auf Anfrage.

Doch warum kommt es zu solchen Zwischenfällen? Gründe für Unfälle seien sehr unterschiedlich, es gäbe keine generelle Antwort, erklärt Christoph Merki, Mediensprecher der SLRG. «Zum einen sind es sicherlich medizinische Ursachen, die an Land eventuell weniger tragisch geendet hätten, zum anderen können konditionelle Ursachen tragische Folgen haben.»

Manchmal seien auch mangelnde Vorbereitung, eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und ein Unterschätzen der Risiken mitschuldig. «Gerade in der Altersgruppe der 15- bis 30-jährigen Männer sehen wir am meisten Unfälle mit Todesfolge. Hier könnte ein erhöhtes Risikoverhalten dieser Gesellschaftsgruppe mitunter eine Rolle spielen.»

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Regionale Kampagne mit Erfolg

In der Region Bern sorgte während mehreren Jahren die Kampagne «Aare You Safe» für mehr Aufmerksamkeit beim Thema Sicherheit auf und in der Aare. Die letzte Durchführung endete zwar 2020, «doch vielen Bernerinnen und Bernern ist ‹Aare You Safe› nach wie vor ein Begriff», sagt Projektleiterin Alice Späh.

Zwar seien Resonanz und Wirkung bei Sensibilisierungskampagnen schwierig zu messen, doch eine Auswertung zur Rettungsweste – durchgeführt von der bfu – zeigt, dass die Kampagne wohl Wirkung hatte. Es stellte sich heraus, dass 2018 nur neun Prozent aller Böötler eine Rettungsweste trugen. Nach der Kampagne mit dem Schwerpunkt auf der Thematik sieht diese Zahl anders aus: Die Erhebung im Sommer 2022 zeigte eine Quote von 39 Prozent. «Das sind erfreuliche 30 Prozent mehr», zieht Späh Bilanz.

veröffentlicht: 25. Juni 2023 10:23
aktualisiert: 25. Juni 2023 10:26
Quelle: BärnToday

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