Handy, Computer & Co.

Das sind die digitalen Herausforderungen bei Jung und Alt

· Online seit 21.02.2023, 07:30 Uhr
Unsere Welt wird immer digitaler. Sowohl ältere als auch jüngere Menschen müssen lernen, damit zu leben. Daniel Roth, Digital-Kursleiter vom Thuner «UND Generationentandem», erklärt im Interview, wie man sich vor Spam schützen kann – und welche besonderen Erlebnisse ihm geblieben sind.
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Was sind bei älteren Menschen momentan die grössten Herausforderungen im digitalen Bereich?

Die Sicherheit ist immer ein ganz grosses Thema. Viele haben grossen Respekt davor, etwas falsch zu machen oder Betrügern auf den Leim zu gehen. Gerade beim E-Banking, das ja immer relevanter wird, herrscht eine grosse Unsicherheit und ein Wissensbedarf, um zu verstehen, wie diese Technologien funktionieren und wieso sie sicher sind.

Was geben Sie solchen Leuten in Ihren Kursen mit auf den Weg?

Einerseits bieten wir die individuelle Hilfe an, wo wir den Leuten eine 1:1-Anleitung geben, wie sie etwas machen müssen. Andererseits versuchen wir in den Kursen Hintergrundwissen zu vermitteln. Denn wenn man das Prinzip und die Funktionsweise dahinter versteht, kann man mehr Vertrauen fassen und wagen, etwas auszuprobieren. Wir versuchen so weit wie möglich ins Detail zu gehen, um auch etwas Grundwissen zu vermitteln. Wir haben zum Beispiel einen Messenger-Kurs mit verschiedenen Anbietern durchgeführt. Dort sind wir auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingegangen, damit die Leute verstehen, was hinter der Kulisse eines Programms abläuft.

Wie ist es bei jüngeren Leuten? Womit haben die zu kämpfen?

Die jüngeren Leute sind in der Anwendung sehr affin. Es wurde ihnen gewissermassen in die Wiege gelegt. Mit den Programmen sind sie vertraut. Was ich aber merke, ist, dass oft Hintergrundwissen fehlt. Das Bewusstsein für Datenschutz und dafür, was man im Netz für Spuren hinterlässt, ist bei vielen nicht vorhanden.

Welche Tipps würden Sie hierzu jungen Leuten geben?

Gerade junge Leute, die ja mit Google affin sind, finden im Netz viele Ressourcen und Anleitungen, um sich im Detail zu informieren. Zum Beispiel über Cookies, die ja immer wieder Thema sind, kann man sicher viel in Erfahrung bringen. Es braucht auch das Bewusstsein dafür, dass im Hintergrund noch andere Sachen passieren. Wenn man zum Beispiel Tiktok einfach so nebenbei nutzt, bekommt man das ja gar nicht mit.

Anscheinend gibt es immer mehr Jugendliche, die gut mit dem Smartphone umgehen können, am Computer jedoch grosse Schwierigkeiten haben. Haben sie dies auch schon festgestellt?

Wir beobachten, dass gerade bei den ganz Jungen sehr viel übers Handy läuft. Dass es gerade so weit geht, dass sie am Computer Probleme haben, hätte ich bisher nicht beobachtet. Aber ich stelle fest, dass die Jungen eigentlich alles übers Handy machen und viele gar keinen eigenen PC oder Laptop mehr haben, womit man die fehlende Erfahrung sicher erklären könnte.

Haben Sie das Gefühl, dass die Handyabhängigkeit immer grösser wird?

Das ist sicher ein Problem. Gerade auch wegen der Aufmerksamkeitsspanne, da auf Sozialen Medien wie Tiktok in Sekundenkadenz völlig neue Inhalte präsentiert werden. Da gibt es jedes Mal einen kleinen Dopaminstoss, wenn man wieder etwas Neues sieht. Sich einfach mal hinzusetzen und ein Buch zu lesen, fällt dann ganz schwer, weil man immer mehr Stimulation möchte.

Phishing-Mails, Spamseiten etc. werden immer dreister. Wie kann man sich davor schützen?

Es wird tatsächlich immer schwieriger. Wichtig ist, immer sehr aufmerksam zu sein. Bei Mails sollte beispielsweise geschaut werden, wer der Absender ist. Bei Links gilt: Lieber einmal zu wenig statt zu viel draufklicken. Man sollte sich überlegen, ob es Sinn macht, dass der Absender einem schreibt. Wenn der Text sehr allgemein gehalten ist und man nicht persönlich angesprochen wird, ist es sicher auch ein Hinweis auf Spam. Wenn man aufgefordert wird, Daten rauszugeben, ebenfalls. Wenn der Text Fehler enthält und das Deutsch holprig ist oder wenn man unter Zeitdruck gesetzt wird, handelt es sich wahrscheinlich auch um Betrug. Wenn man zum Beispiel auf der Website einer Bank ist, sollte kontrolliert werden, dass es eine gesicherte Verbindung ist, also «https» mit einem Schloss in der Browser-Adresszeile. Das zeigt an, dass es tatsächlich die Seite ist, für die sie sich ausgibt.

Gibt es Erlebnisse aus ihren Kursen, die Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben sind?

Die Leute, die unsere Kurse besuchen, haben die unterschiedlichsten Kenntnis-Levels. Es gibt Personen, die nicht wissen, was ein Browser oder der Windows Explorer ist. Aber die Leute, die sich für die Kurse interessieren, machen schon einen grossen Schritt. Es gibt ganz viele, die aufgegeben haben und denken, dass sie keinen Zugang mehr zum Digitalen finden. Zwei positive Beispiele: Da war ein älterer Herr, der grosse Mühe mit dem Handy hatte, es nicht wirklich bedienen konnte und verwirrt war, wie Whatsapp und die Bilder darin funktionieren. Ich war mehrmals bei ihm und versuchte, ihm weiterzuhelfen. Der Mann hatte einen Dackel, der röchelte. Das tat er aber immer genau dann nicht, wenn er beim Tierarzt war. Nachdem er mir das erzählt hatte, erklärte ich ihm die Handybedienung. Schliesslich schaffte er es irgendwann, im richtigen Moment ein Video seines Hundes aufzunehmen, das er dann dem Tierarzt zeigen konnte. Eine ältere Frau, über 90-jährig, die nicht mehr gut sehen konnte, aber noch Bücher lesen wollte, bekam von ihren Töchtern ein iPad geschenkt. Ich zeigte ihr die Bedienung, was am Anfang schwierig war und sie sehr frustrierte. Mit der Zeit ging es aber immer besser und jetzt liest sie auf ihrem iPad Buch um Buch. Sie ist digital fitter, als sie es noch vor einigen Jahren gewesen ist.

veröffentlicht: 21. Februar 2023 07:30
aktualisiert: 21. Februar 2023 07:30
Quelle: BärnToday

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