Magier von Beruf

«Wusste schon in der Schule, dass ich Zauberer werden will»

· Online seit 27.03.2023, 11:53 Uhr
Rafael Scholten hat einen nicht ganz alltäglichen Beruf: Der 28-Jährige ist professioneller Magier. Der Niederländer, der in der Schweiz lebt und arbeitet, ist am 30. März im Theater am Käfigturm zu Gast. Im Interview verrät er, wie er zur Zauberei gekommen ist und welchen Einfluss Social Media auf seinen Job hat.
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BärnToday: Wie sind Sie zur Zauberei gekommen?

Rafael Scholten: Seit meiner frühesten Kindheit bin ich fasziniert von Theater, Puppenspiel und Magie. Zu Weihnachten bekam ich einst ein Zauberbuch geschenkt. Ich war wie besessen davon und habe seitdem nicht mehr mit dem Zaubern aufgehört. Später trat ich in einen Magierclub ein, wo ich von älteren Meistern unterrichtet wurde. Bei einem Wettkampf habe ich dann den ersten Platz bei den Junioren gewonnen. Ich bin heute noch genauso fasziniert von der Zauberei wie vor 18 Jahren und mache immer noch meine eigenen Nummern. Inzwischen sind sie aber grösser und teurer geworden.

Wann haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht? Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld?

Ich wusste schon in der Primarschule, dass ich Zauberer werden will. Während meiner Sekundarschulzeit bin ich bereits viel aufgetreten und regelmässig durch Europa gereist. Nach der Sekundarschule habe ich kurz eine Theaterausbildung gemacht und dann angefangen, als Vollzeitzauberer zu arbeiten. Ich habe nie daran gedacht, etwas anderes zu machen oder zu lernen. Ich wurde immer ermutigt, meinem Traum zu folgen und meine Eltern haben mich immer unterstützt. Nun bin ich sehr glücklich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.

Hier siehst du, wie Rafael Scholten selbst Stadt-Land-Talent-Juror Luca Hänni verblüfft:

Haben Sie ein Spezialgebiet in der Zauberkunst?

Mein Spezialgebiet ist die Manipulation und die Fingerfertigkeit. Magie in ihrer reinsten Form also. Man zeigt dabei kaum selbstwirkende Illusionen, sondern nur Sachen, die durch Übung und Technik mit den Händen entstehen. Man nennt dies auch das Ballett unter der Magie. Das liegt daran, dass es Jahre dauert, es zu lernen. In meiner Show zeige ich ein Stück davon, aber ich tauche auch in eine andere, dunklere Ecke der Magie ein, in andere Formen der Theatermagie wie Spiritismus und Experimente des Gedankenlesens.

Was dürfen Besucherinnen und Besucher am 30. März im Theater am Käfigturm erwarten?

Die erstaunlichste und spannendste Magie in einer Show, welche Themen wie Zeitreisen, Schicksal sowie die Frage, warum wir an Magie glauben wollen, beleuchtet. Mit einfachen Attributen, Gegenständen und Gedanken des Publikums kreiere ich eine neue Art von Magie. Spielend ziehe ich die Zuschauerinnen und Zuschauer mit meiner Sammlung wunderbarer Kuriositäten in den Bann und dringe in die dunkelsten Winkel ihrer Gedanken ein. Inspiriert von berühmten Magiern aus der viktorianischen Ära lasse ich das Publikum in einer stets eleganten und humorvollen Aufführung die Magie mit Händen greifen und für eine Stunde der Realität entfliehen.

Was für einen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit als professioneller Magier?

Um es kurz und nicht zu deprimierend auszudrücken: Es war eine Herausforderung. Es ist schon ein schwieriger Beruf ohne Corona und es ist schmerzhaft, wenn man sieht, dass die ganze Agenda einfach über den Haufen geworfen wird. Aber es hatte auch positive Seiten. Ich habe noch nie so viel kreiert. Ich habe Bücher gelesen und bin tatsächlich ein gutes Stück vorwärtsgekommen. Nun bin ich aber unglaublich glücklich, dass wir wieder im Theater sein können.

Können Sie als professioneller Zauberer gut von Ihrem Job leben oder braucht es noch eine Zweitarbeit?

Die Leute fragen mich oft, sogar während einer siebenmonatigen Tournee, was mein richtiger Beruf sei. Magie ist vielleicht kein durchschnittlicher Beruf, aber es ist ein Beruf. Damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt ganz gut. Und es kostet eine Menge Zeit. Was man in einer Show sieht, ist circa 10 Prozent der Arbeit, der Rest ist Vorbereitung und Büroarbeit. Als ich jünger war, kannte ich viele hauptberufliche Künstler, die ein gutes Leben führen, und so folgte ich ohne Zweifel meiner Leidenschaft. Ich bin immer noch sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Ich kann jeden Tag mit Magie beschäftigt sein. Schlussendlich ist man natürlich nur ein kleines Unternehmen, also muss man es auch so sehen und behandeln. Die meiste Arbeit verrichte ich im Büro. Es gibt Tage, an denen ich keine einzige Spielkarte in den Händen habe.

Auf Social Media werden heutzutage manchmal Zaubertricks erklärt und aufgedeckt. Schadet das Ihrem Beruf?

Zu wissen, wie ein Trick funktioniert und eine professionelle Vorstellung zu produzieren, sind immer noch zwei verschiedene Welten. Da stecken so viel Studium und Erfahrung drin. Obwohl ich es manchmal schade finde, dass Geheimnisse so locker behandelt werden, glaube ich nicht, dass es schadet. Vielleicht hilft es sogar. Wenn man es versucht, ist es meist sowieso nicht so einfach. Es weckt aber das Interesse. Und es ermutigt auch Profis, neue Dinge zu kreieren.

Sie haben beim europäischen Grand-Prix-Wettbewerb den Publikumspreis gewonnen. Wie bereitet man sich als Zauberer auf so einen Wettkampf vor?

Ich habe nicht nur den Publikumspreis gewonnen, sondern auch den 1. Platz und den Grand-Prix. Wenn man zu einem Wettbewerb eingeladen wird, kann man seine Nummer im Rahmen eines Zauberkongresses vorführen und wird von einer Fachjury bewertet. Diese prüft Schwierigkeitsgrad, Originalität, Professionalität, Aussehen, Kostümierung und Musik. Es dauert oft Jahre, bis man eine dafür geeignete Nummer hat. Ich habe mit verschiedenen Trainern und Choreografen daran gearbeitet. Danach, wenn es dann steht, übt man so lange, bis der Körper es von allein macht. Man sollte in der Lage sein, mitten in der Nacht aufzuwachen und es sofort fehlerfrei zu können.

Unterscheidet sich die Zauberer-Szene in der Schweiz vom Ausland?

In Bern und in vielen anderen Städten der Schweiz gibt es Clubs, in denen sich Profi- und Hobbyzauberer treffen. Andere Länder sind Vorreiter in Sachen Magie. Frankreich ist für die Theatermagie, die Nouvelle magique, bekannt. Südkorea ist ein Land, das vor allem extreme Technik einsetzt und viele neue visuelle Tricks entdeckt. Aber es macht wenig Theater oder Dekoration. Die amerikanische Magie ist etwas grobschlächtiger und weniger nuanciert als die europäische. Die Niederlande haben auch viele Weltmeister hervorgebracht. Ausserdem kommen aktuell viele gute Zauberkünstler aus Spanien.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen einem Magier und einem Zauberer?

Ein Magier ist ein Schauspieler, der die Rolle eines Zauberers spielt.

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veröffentlicht: 27. März 2023 11:53
aktualisiert: 27. März 2023 11:53
Quelle: BärnToday

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