Minusgrade im Seeland

Gemeinde Nidau vertreibt Obdachlosen aus Baracke – Empörung

20.12.2023, 19:25 Uhr
· Online seit 19.12.2023, 06:43 Uhr
Sechs Jahre lang hat ein Obdachloser Unterschlupf in einer Baracke in Nidau gefunden. Diese soll nun Bootsplätzen weichen. Der Entscheid der Gemeinde sorgt für mächtig Ärger.
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Aktuell ist es nachts eiskalt. Darunter leiden insbesondere Obdachlose. So auch ein 66-jähriger Mann aus Nidau. Dieser weiss aber mit der Kälte umzugehen. Eine heruntergekommene Baracke dient ihm als Schlafstelle – bis jetzt.

GLP-Gemeinderat warnte Gspänli vor Entscheid 

Drei Wochen vor Weihnachten setzte ihn die Gemeinde Nidau auf die Strasse, wie «Blick» berichtet. An der Stelle der Baracke sollen Trockenplätze für Boote entstehen. Kritik für diesen Entscheid kommt nun von GLP-Gemeinderat Beat Cattaruzza.

Dieser ist mit dem Entscheid seiner Kolleginnen und Kollegen alles andere als einverstanden. «Es sind minus zwei Grad. Überlegt euch gut, was ihr machen wollt», warnte er diese im Vorfeld. Cattaruzza glaubt, dass sie den Obdachlosen, der in Biel gemeldet ist, «einfach loswerden» wollen.

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Die Gemeinde selbst verweist auf eine defekte Heizung im Gebäude. Man könne es nicht zulassen, den Obdachlosen dort weiterhin wohnen zu lassen. Sonst könne dieser «schlimmstenfalls erfrieren».

Eine Grundsanierung wäre aber «völlig unverhältnismässig». Die Räumung entspreche den Vorschriften. Dass diese nun im kalten Dezember erfolge, sei auf eine Verzögerung durch das Gericht zurückzuführen. «Wir haben die Räumung im November beantragt, bevor es zu kalt wird», sagt der zuständige Gemeinderat Joel Schweizer (Grüne) zur Zeitung.

Cattaruzza reicht Beschwerde gegen Entscheid ein

Die Gemeinde verweist darauf, dass man sich frühzeitig um eine Anschlusslösung für den obdachlosen Mann bemüht habe. «Aber er hat sämtliche Angebote abgelehnt und Gespräche verweigert», so Stadtschreiber Stephan Ochsenbein gegenüber «Blick». Dieser Darstellung widerspricht jedoch der Betroffene.

Gemeinderat Cattaruzza ergreift nun selbst Partei. Er reicht eine Aufsichtsbeschwerde bei der Gemeinde ein. Es brauche transparente Kommunikation und keine fehlende Verantwortung, sagt er.

(ris)

veröffentlicht: 19. Dezember 2023 06:43
aktualisiert: 20. Dezember 2023 19:25
Quelle: BärnToday

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